Iridium Vorkommen · Primärquellen · Industrielle Anfallstellen
Nur 7–8 Tonnen pro Jahr, über 90 % aus Südafrika, ausschließlich als Nebenprodukt der Platinförderung – Iridium ist das am knappsten produzierte Industriemetall der Welt. Warum das so ist und wo in der Industrie Iridium täglich anfällt.
Primärproduktion
Iridium ist kein eigenständig abgebautes Metall. Es entsteht ausschließlich als Nebenprodukt der Platin- und Nickelgewinnung in wenigen, geologisch einzigartigen Lagerstätten weltweit.
Der Buschveld-Komplex (Bushveld Igneous Complex, BIC) in Südafrika ist die weltweit einzigartige Quelle für Iridium. Diese riesige, vor 2 Milliarden Jahren erstarrte Magmakammer enthält die bedeutendsten PGM-Lagerstätten der Erde. Betreiber wie Anglo American Platinum (Amplats), Sibanye-Stillwater und Impala Platinum (Implats) fördern dort Platin als Hauptprodukt – Iridium fällt als wertvolles Nebenprodukt an.
Buschveld-Komplex · PGM-HauptquelleDie Norilsk-Region in Sibirien (Norilsk Nickel / Nornickel) ist die zweitwichtigste Iridiumquelle. Hier entsteht Iridium als Nebenprodukt der Nickel- und Palladiumgewinnung. Seit den westlichen Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs ist der Zugang für europäische Käufer stark eingeschränkt – was den Druck auf südafrikanische Quellen und den Recyclingmarkt erhöht.
Norilsk Nickel · Ni-Pd-KomplexSimbabwe verfügt über den Great Dyke, einen weiteren bedeutenden PGM-Lagerstättenkomplex. Die Produktion ist erheblich, aber durch politische Instabilität und Infrastrukturmängel limitiert. Kanada (Sudbury-Becken in Ontario) liefert kleine Iridiummengen als Nebenprodukt der Nickelgewinnung bei Glencore und Vale. Beide Quellen spielen weltweit nur eine Nebenrolle.
Great Dyke · Sudbury-BeckenIridium gehört zur siderophilen Gruppe der Elemente – es wandert bei der Planetenentstehung bevorzugt zum Erdkern. Entsprechend wenig verbleibt in der Erdkruste. Was wir heute abbauen, entstammt überwiegend späteren meteorischen Einträgen und einzigartigen Magmaprozessen wie dem Buschveld-Komplex.
Iridium jetzt verkaufenSekundäre Quellen
Da die Primärproduktion auf 7–8 Tonnen pro Jahr begrenzt ist und kaum skalierbar, gewinnt das Recycling aus industriellen Rücklaufströmen zunehmend an Bedeutung. Diese "urbanen Minen" sind die eigentliche Versorgungsstütze für den europäischen Iridiummarkt.
Die mengenstärkste und wertvollste Anfallstelle. Iridiumtiegel werden für die Czochralski-Zucht von Saphireinkristallen (für LED-Substrate, Uhrgläser, Smartphone-Cover) und GGG-Kristallen (Datenspeicher, Laser, Militäranwendungen) eingesetzt. Ein Tiegel kann mehrere Prozesszyklen überstehen, wird aber nach Rissbildung oder Deformation ausgetauscht. Der Materialwert bleibt vollständig erhalten.
Sehr hohes WertpotenzialPVD-Anlagen (Physical Vapor Deposition) verwenden Iridium-Sputtertargets für die Beschichtung von Wafern, Speichermedien (HDDs, Flash-Substrate) und optischen Komponenten. Verbrauchte Targets, Segmente und Bruchstücke fließen nach der Nutzung in den Recyclingkreislauf. Der Restgehalt auf einem gebrauchten Target beträgt typischerweise 20–40% des Ausgangsmaterials.
Hohes VolumenMMO-Anoden (Mixed Metal Oxide) mit Iridiumdioxid-Beschichtungen auf Titanträgern werden in der Chlor-Alkali-Elektrolyse, Wasser-Elektrolyse und Entkeimungsanlagen eingesetzt. Die Schicht ist dünn, aber bei größeren Elektrodenpaketen und Streckgittern wirtschaftlich relevant. Zusätzlich entstehen in PEM-Elektrolyseuren für grünen Wasserstoff wachsende Mengen verbrauchter Ir-Katalysatoren.
Wachsendes VolumenIridium-Zündkerzen enthalten winzige Ir-Spitzen (ca. 0,6 mg pro Kerze), die aufgrund ihrer Erosionsbeständigkeit eine drastisch längere Lebensdauer bieten. In der Zündkerzenfertigung fallen Stanzabfälle und Produktionsausschuss an – diese Mengen akkumulieren sich in Fertigungsbetrieben zu wirtschaftlich interessanten Chargen. Platin-Iridium-Legierungen aus Hochleistungskontakten sind ebenfalls relevant.
Mittleres VolumenIridium als homogener Katalysator in der Feinchemie und Pharmasynthese, als Elektrode in der Elektrochemie und als Laborchemikalie in Forschungseinrichtungen. OLED-Emitter-Komplexe (organische Ir(III)-Verbindungen) aus Displayfertigungen sind ein wachsendes Nischensegment mit sehr hohem Ir-Wert pro Gramm.
Nischen-VolumenIridium in Triebwerkskomponenten und Satelliten-Hitzeschilden (extreme Korrosionsbeständigkeit bei Wiedereintritt). Spinndüsen und Rührwerkzeuge für Spezialglas-Schmelzen. In der Medizin als Strahlungsquelle Ir-192 in der Brachytherapie – dieses Material unterliegt Sondervorschriften und kann nur nach Freigabeprüfung angekauft werden.
Nischen-VolumenHintergrundwissen
Die extreme Konzentration der Iridiumproduktion in Südafrika schafft ein einzigartiges geopolitisches Risiko. Wenn der staatliche Energieversorger Eskom die Stromversorgung der Tiefen PGM-Minen unterbricht (sogenanntes "Load Shedding"), fallen Iridiummengen weg, die nicht kurzfristig durch andere Quellen ersetzt werden können. Die Preisspitzen der Jahre 2021–2023 waren zu einem erheblichen Teil auf diese Versorgungsunterbrechungen zurückzuführen. Seit 2025 hat sich die Eskom-Situation durch den "Generation Recovery Plan" erheblich verbessert – dies dämpfte den Iridiumpreis und sorgt für die aktuelle Stabilisierungsphase.
Iridium ist der einzige praktikable Anodenkatalysator für Protonenaustauschmembran-Elektrolyseure (PEMEL), die für die Produktion von grünem Wasserstoff eingesetzt werden. Um die Netto-Null-Klimaziele bis 2050 zu erreichen, müssten PEM-Elektrolyseure rund 40% der weltweiten Wasserstoffproduktion abdecken – was theoretisch 30% der gesamten jährlichen Iridiumproduktion beanspruchen würde. Diese fundamentale Nachfrage trifft auf ein quasi unveränderliches Angebot von 7–8 Tonnen pro Jahr. Technologieentwicklungen wie das "Thrifting" (drastische Reduzierung der Iridiumbeladung) und Ruthenium-Iridium-Mischkatalysatoren entschärfen das Szenario, beseitigen es aber nicht vollständig.
Die EU hat Iridium in ihre Critical Raw Materials-Liste aufgenommen. Da Europa keine nennenswerten Primärquellen hat und von einem einzigen geografischen Cluster (Buschveld-Komplex) abhängig ist, ist das Recycling aus industriellen Rücklaufströmen nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern ein strategisches Versorgungsinstrument. Jeder Iridiumtiegel, jedes Sputtertarget und jede MMO-Anode, die in den europäischen Recyclingkreislauf zurückfließt, verringert die Importabhängigkeit und stärkt die Versorgungssicherheit für Hochtemperatur- und Wasserstofftechnologien.
FAQ
Tiegel, Targets, MMO-Anoden, Pulver oder Salze – wir bewerten alles fachgerecht und fair.