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Iridium Vorkommen · Primärquellen · Industrielle Anfallstellen

Iridium Vorkommen – Primärquellen, Geologie und industrielle Anfallstellen

Nur 7–8 Tonnen pro Jahr, über 90 % aus Südafrika, ausschließlich als Nebenprodukt der Platinförderung – Iridium ist das am knappsten produzierte Industriemetall der Welt. Warum das so ist und wo in der Industrie Iridium täglich anfällt.

7–8 tWeltjahresproduktion Iridium
>90 %Primäranteil aus Südafrika
0,001 ppmKonzentration in der Erdkruste
22,56 g/cm³Höchste Dichte aller Elemente

Wo kommt Iridium her? – Weltweite Primärquellen

Iridium ist kein eigenständig abgebautes Metall. Es entsteht ausschließlich als Nebenprodukt der Platin- und Nickelgewinnung in wenigen, geologisch einzigartigen Lagerstätten weltweit.

Südafrika

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> 90 % der Weltproduktion

Der Buschveld-Komplex (Bushveld Igneous Complex, BIC) in Südafrika ist die weltweit einzigartige Quelle für Iridium. Diese riesige, vor 2 Milliarden Jahren erstarrte Magmakammer enthält die bedeutendsten PGM-Lagerstätten der Erde. Betreiber wie Anglo American Platinum (Amplats), Sibanye-Stillwater und Impala Platinum (Implats) fördern dort Platin als Hauptprodukt – Iridium fällt als wertvolles Nebenprodukt an.

Buschveld-Komplex · PGM-Hauptquelle

Russland

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~3–5 % der Weltproduktion

Die Norilsk-Region in Sibirien (Norilsk Nickel / Nornickel) ist die zweitwichtigste Iridiumquelle. Hier entsteht Iridium als Nebenprodukt der Nickel- und Palladiumgewinnung. Seit den westlichen Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs ist der Zugang für europäische Käufer stark eingeschränkt – was den Druck auf südafrikanische Quellen und den Recyclingmarkt erhöht.

Norilsk Nickel · Ni-Pd-Komplex

Simbabwe & Kanada

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~3–5 % der Weltproduktion

Simbabwe verfügt über den Great Dyke, einen weiteren bedeutenden PGM-Lagerstättenkomplex. Die Produktion ist erheblich, aber durch politische Instabilität und Infrastrukturmängel limitiert. Kanada (Sudbury-Becken in Ontario) liefert kleine Iridiummengen als Nebenprodukt der Nickelgewinnung bei Glencore und Vale. Beide Quellen spielen weltweit nur eine Nebenrolle.

Great Dyke · Sudbury-Becken

Warum ist Iridium so extrem selten?

Iridium gehört zur siderophilen Gruppe der Elemente – es wandert bei der Planetenentstehung bevorzugt zum Erdkern. Entsprechend wenig verbleibt in der Erdkruste. Was wir heute abbauen, entstammt überwiegend späteren meteorischen Einträgen und einzigartigen Magmaprozessen wie dem Buschveld-Komplex.

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Siderophil – Affinität zum Erdkern Iridium wandert bei der Planetendifferenzierung in den Eisenkern. In der Erdkruste verbleiben nur Spuren (0,001 ppm).
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Meteoritischer Eintrag Die Iridium-Anomalie in der K-Pg-Grenzschicht (Kreide-Paläogen) beweist den massiven meteorischen Ursprung vieler erdkrustaler PGM.
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Magmatische Fraktionierung Im Buschveld-Komplex reicherten sich PGM über Milliarden Jahre durch langsame Erstarrung einer riesigen Magmakammer an – ein einzigartiger geologischer Prozess.
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Nur als Nebenprodukt gewinnbar Iridium kommt nie in wirtschaftlich abbaubaren Eigenlagerstätten vor. Es entsteht ausschließlich beim Raffinierprozess von Platin-Nickel-Erzen.

Wo fällt Iridium in der Industrie an?

Da die Primärproduktion auf 7–8 Tonnen pro Jahr begrenzt ist und kaum skalierbar, gewinnt das Recycling aus industriellen Rücklaufströmen zunehmend an Bedeutung. Diese "urbanen Minen" sind die eigentliche Versorgungsstütze für den europäischen Iridiummarkt.

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LED-, Laser- & Kristallindustrie

Die mengenstärkste und wertvollste Anfallstelle. Iridiumtiegel werden für die Czochralski-Zucht von Saphireinkristallen (für LED-Substrate, Uhrgläser, Smartphone-Cover) und GGG-Kristallen (Datenspeicher, Laser, Militäranwendungen) eingesetzt. Ein Tiegel kann mehrere Prozesszyklen überstehen, wird aber nach Rissbildung oder Deformation ausgetauscht. Der Materialwert bleibt vollständig erhalten.

Sehr hohes Wertpotenzial
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Halbleiter- & Dünnschichttechnik

PVD-Anlagen (Physical Vapor Deposition) verwenden Iridium-Sputtertargets für die Beschichtung von Wafern, Speichermedien (HDDs, Flash-Substrate) und optischen Komponenten. Verbrauchte Targets, Segmente und Bruchstücke fließen nach der Nutzung in den Recyclingkreislauf. Der Restgehalt auf einem gebrauchten Target beträgt typischerweise 20–40% des Ausgangsmaterials.

Hohes Volumen
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Elektrochemie & Wasseraufbereitung

MMO-Anoden (Mixed Metal Oxide) mit Iridiumdioxid-Beschichtungen auf Titanträgern werden in der Chlor-Alkali-Elektrolyse, Wasser-Elektrolyse und Entkeimungsanlagen eingesetzt. Die Schicht ist dünn, aber bei größeren Elektrodenpaketen und Streckgittern wirtschaftlich relevant. Zusätzlich entstehen in PEM-Elektrolyseuren für grünen Wasserstoff wachsende Mengen verbrauchter Ir-Katalysatoren.

Wachsendes Volumen
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Automotive & Zündkerzenfertigung

Iridium-Zündkerzen enthalten winzige Ir-Spitzen (ca. 0,6 mg pro Kerze), die aufgrund ihrer Erosionsbeständigkeit eine drastisch längere Lebensdauer bieten. In der Zündkerzenfertigung fallen Stanzabfälle und Produktionsausschuss an – diese Mengen akkumulieren sich in Fertigungsbetrieben zu wirtschaftlich interessanten Chargen. Platin-Iridium-Legierungen aus Hochleistungskontakten sind ebenfalls relevant.

Mittleres Volumen
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Chemische Industrie & Forschung

Iridium als homogener Katalysator in der Feinchemie und Pharmasynthese, als Elektrode in der Elektrochemie und als Laborchemikalie in Forschungseinrichtungen. OLED-Emitter-Komplexe (organische Ir(III)-Verbindungen) aus Displayfertigungen sind ein wachsendes Nischensegment mit sehr hohem Ir-Wert pro Gramm.

Nischen-Volumen
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Raumfahrt, Glasindustrie & Medizin

Iridium in Triebwerkskomponenten und Satelliten-Hitzeschilden (extreme Korrosionsbeständigkeit bei Wiedereintritt). Spinndüsen und Rührwerkzeuge für Spezialglas-Schmelzen. In der Medizin als Strahlungsquelle Ir-192 in der Brachytherapie – dieses Material unterliegt Sondervorschriften und kann nur nach Freigabeprüfung angekauft werden.

Nischen-Volumen

Iridium – das seltenste Industriemetall der Welt

Das Südafrika-Risiko: warum der Iridiumpreis so volatil ist

Die extreme Konzentration der Iridiumproduktion in Südafrika schafft ein einzigartiges geopolitisches Risiko. Wenn der staatliche Energieversorger Eskom die Stromversorgung der Tiefen PGM-Minen unterbricht (sogenanntes "Load Shedding"), fallen Iridiummengen weg, die nicht kurzfristig durch andere Quellen ersetzt werden können. Die Preisspitzen der Jahre 2021–2023 waren zu einem erheblichen Teil auf diese Versorgungsunterbrechungen zurückzuführen. Seit 2025 hat sich die Eskom-Situation durch den "Generation Recovery Plan" erheblich verbessert – dies dämpfte den Iridiumpreis und sorgt für die aktuelle Stabilisierungsphase.

Iridium als kritischer Rohstoff der Energiewende

Iridium ist der einzige praktikable Anodenkatalysator für Protonenaustauschmembran-Elektrolyseure (PEMEL), die für die Produktion von grünem Wasserstoff eingesetzt werden. Um die Netto-Null-Klimaziele bis 2050 zu erreichen, müssten PEM-Elektrolyseure rund 40% der weltweiten Wasserstoffproduktion abdecken – was theoretisch 30% der gesamten jährlichen Iridiumproduktion beanspruchen würde. Diese fundamentale Nachfrage trifft auf ein quasi unveränderliches Angebot von 7–8 Tonnen pro Jahr. Technologieentwicklungen wie das "Thrifting" (drastische Reduzierung der Iridiumbeladung) und Ruthenium-Iridium-Mischkatalysatoren entschärfen das Szenario, beseitigen es aber nicht vollständig.

Warum Recycling in Europa so wichtig ist

Die EU hat Iridium in ihre Critical Raw Materials-Liste aufgenommen. Da Europa keine nennenswerten Primärquellen hat und von einem einzigen geografischen Cluster (Buschveld-Komplex) abhängig ist, ist das Recycling aus industriellen Rücklaufströmen nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern ein strategisches Versorgungsinstrument. Jeder Iridiumtiegel, jedes Sputtertarget und jede MMO-Anode, die in den europäischen Recyclingkreislauf zurückfließt, verringert die Importabhängigkeit und stärkt die Versorgungssicherheit für Hochtemperatur- und Wasserstofftechnologien.

Häufige Fragen zu Iridium-Vorkommen

Iridium kommt in der Erdkruste nur mit ca. 0,001 ppm vor – deutlich seltener als Gold. Es wird fast ausschließlich als Nebenprodukt der Platingewinnung gefördert. Über 90% der Weltproduktion stammt aus Südafrika (Buschveld-Komplex), der Rest aus Russland (Norilsk), Simbabwe und Kanada. Es gibt keine wirtschaftlich abbaubaren eigenständigen Iridiumlagerstätten.
Die weltweite Primärproduktion von Iridium liegt bei lediglich 7–8 Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: Gold wird in über 3.000 Tonnen pro Jahr gefördert. Das Iridiumangebot ist quasi unveränderlich – es reagiert nicht auf den Iridiumpreis, sondern ausschließlich auf die Wirtschaftlichkeit der Platingewinnung in Südafrika und Russland.
Iridium ist ein siderophiles Element – es hat eine starke Affinität zu Eisen und wanderte bei der Entstehung der Erde bevorzugt in den Erdkern. In der Erdkruste verbleiben daher nur Spurenmengen, die überwiegend aus späteren meteorischen Einträgen stammen. Platin ist in der Kruste ca. 10-mal häufiger als Iridium, Gold etwa 40-mal häufiger.
Nein. Es gibt keine wirtschaftlich relevanten Iridium-Primärquellen in Europa. Europa ist zu 100% importabhängig beim Primärrohstoff Iridium. Umso wichtiger ist das Recycling aus industriellen Rücklaufströmen: Kristallzucht-Tiegel, Sputtertargets und MMO-Anoden aus europäischen Betrieben sind die einzige europäische "Iridiumquelle" – die sogenannte "urbane Mine".
Da Iridium ausschließlich als Nebenprodukt der Platingewinnung anfällt, ist das Iridiumangebot direkt an die Platinproduktion gekoppelt. Wenn Platinminen in Südafrika die Produktion drosseln (z. B. aufgrund sinkender Platinpreise oder Stromausfällen), fällt weniger Iridium als Nebenprodukt an – unabhängig davon, wie hoch die Iridium-Nachfrage ist. Diese strukturelle Angebotsunelastizität ist der Hauptgrund für die extreme Preisvolatilität bei Iridium.

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